Ein Pflaster, das Leben rettet — und den Weg zur Überwachung ebnet
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Ein Pflaster, das Leben rettet — und den Weg zur Überwachung ebnet

Das Fraunhofer-Institut entwickelt mit ViseKat ein medizinisches Pflaster zur Vitaldatenübertragung im Katastrophenfall. Doch die gleiche Technologie dient in chinesischen Smart Cities der flächendeckenden Überwachung. Der Artikel zeigt, wie Europa durch Importe von Chips, KI-Infrastruktur und Energiemanagement-Systemen eine Architektur der Kontrolle importiert, bevor die Datenschutzdebatte richtig begonnen hat.

22 Min. Lesezeit~4.345 Wörter

Im Juli 2026 wird ein Produkt auf den europäischen Markt kommen, das die Debatte über intelligente Städte für immer verändern könnte. „ViseKat“ heißt es, entwickelt am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, und es ist ein unscheinbares Pflaster. Medizintechniker Norman Pfeiffer hat es im Rahmen seiner Promotion an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt: Das Pflaster wird auf Brust und Stirn von Verletzten geklebt, misst Sauerstoffsättigung, Puls, Atemfrequenz und Herzfunktion, und sendet diese Daten per Funk an eine zentrale Einsatzleitung.

Die Erfinder preisen es als Lebensretter im Katastrophenfall. Und das ist es zweifellos. Aber ViseKat ist noch etwas anderes: Es ist die Blaupause für ein flächendeckendes, KI-gesteuertes Gesundheitsmonitoring, das in Europa längst Realität sein wird, bevor die Datenschutzdebatte überhaupt begonnen hat. Denn die Technologie, die hier für den Katastrophenschutz entwickelt wurde, ist dieselbe, die chinesische Staatskonzerne seit Jahren in ihren Smart-City-Exporten nach Europa einweben — nur dass sie dort nicht Leben retten, sondern Daten sammeln soll.

Die wichtigsten Zahlen:

  • 2.100 TOPS Rechenleistung liefert BYDs neuer Xuanji-A3-Chip — mehr als doppelt so viel wie Nvidias Drive Orin
  • 0,32 Prozent der schweren Lkw in der EU sind elektrisch — bei sinkenden Neuzulassungen
  • 5 Gigawatt Strom soll SoftBanks geplanter AI-Datenhub in Frankreich verbrauchen — so viel wie 5 Millionen Haushalte
  • 7 Millionen Nutzerdaten wurden beim 23andMe-Breach 2023 kompromittiert
  • 88 Milliarden Dollar investiert SoftBank in den französischen Datenhub

Die Architektur der Kontrolle: Zentralisierung als Geschäftsmodell

Der entscheidende Unterschied zwischen europäischen und chinesischen Smart-City-Ansätzen ist nicht technischer, sondern philosophischer Natur. Europäische Startups wie das französische Upciti setzen auf ein Prinzip, das Gründer Jean-Baptiste Poljak „Privacy by Design“ nennt. Seine Sensoren verwenden bewusst Low-Resolution-Kameras, die Gesichter auf 0,5 Pixel reduzieren. „Selbst wenn wir morgen durchdrehen und unser Unternehmen an Nordkorea verkaufen, die Bilder, die man daraus bekommt, sind wie Briefmarken, ein Gesicht ist 0,5 Pixel“, sagt Poljak.

Chinesische Anbieter wie Hikvision oder Dahua ziehen einen solchen Ansatz nicht einmal in Erwägung. Ihre Kameras liefern 4K-Auflösung, Gesichtserkennung auf 100 Meter Entfernung, Kennzeichenerfassung bei 200 km/h. Das ist kein Zufall, sondern System: Chinas Smart-City-Architektur ist auf maximale Datenausbeute ausgelegt, nicht auf Minimierung. Der „City Brain“ von Alibaba, der in Hangzhou angeblich 15 Prozent weniger Staus gebracht hat, funktioniert nur, weil er Zugriff auf Hunderttausende Kameras, Millionen Sensoren und die Daten von 1,4 Milliarden Bürgern hat.

Europa importiert nicht nur Technologie — es importiert eine Architektur der Kontrolle.

BYDs neu vorgestellter Xuanji A3, der erste 4nm-Autofahrchip Chinas, ist das perfekte Beispiel. Drei dieser Chips liefern eine Rechenleistung von über 2.100 TOPS — mehr als das Doppelte von Nvidias Drive Orin. Wang Chuanfu, BYDs Chairman und Gründer, hat den Chip auf einer Veranstaltung im Mai 2026 vorgestellt und erklärt, dass er bereits in Massenproduktion ist und L3- und L4-autonomes Fahren unterstützt. BYD hat ein Chip-Entwicklungsteam von über 7.000 Menschen und hat mehr als 100 Milliarden Yuan (13,9 Milliarden Dollar) investiert.

Was in der Presseerklärung nicht steht: Dieser Chip ist nicht nur ein Fahrassistent. Er ist ein Datensammler. Jedes Fahrzeug, das mit dem Xuanji A3 ausgestattet ist, wird zu einem mobilen Sensor, der kontinuierlich Verkehrsdaten, Umgebungsinformationen und — sobald die gesetzlichen Hürden fallen — möglicherweise auch personenbezogene Daten erfasst. In China ist das Geschäftsmodell klar: Die Daten fließen in den City Brain. In Europa soll das gleiche System etabliert werden — nur dass hier die Datenschutzgrundverordnung dazwischensteht.

Die falsche Neutralität: Wie SoftBank und Sigenergy die Lücke füllen

SoftBank plant einen 88-Milliarden-Dollar-AI-Datenhub in Frankreich mit einer Kapazität von 5 Gigawatt. Das entspricht dem Strombedarf von etwa 5 Millionen europäischen Haushalten. Masayoshi Son, der Chef von SoftBank, hat sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron getroffen — die Bilder zeigen zwei Männer, die lächeln und Händeschütteln, als ob es sich um ein normales Geschäft handeln würde.

Es ist kein normales Geschäft. SoftBank ist ein japanisches Unternehmen, das eng mit chinesischen Technologiekonzernen verbunden ist. Der Datenhub wird Rechenleistung für KI-Modelle bereitstellen, die auf Daten aus europäischen Smart Cities trainiert werden — und die dann wiederum in chinesischen Smart-City-Produkten landen. Die europäischen Regulierungsbehörden gehen gegen US-Tech-Giganten vor, während sie asiatischem Kapital die Tür öffnen.

Das japanische Startup Sigenergy hat auf seiner globalen Strategieveranstaltung „AI in All“ am 29. Mai 2026 den branchenweit ersten allumfassenden KI-Agenten für Energiemanagement vorgestellt: SigenAgent. Das System besteht aus vier vertikalen KI-Agenten: dem privaten Energieverwalter, dem Kraftwerkswartungsarzt, dem Stromhandels-Trader und dem Unternehmensbetriebsassistenten. Xu Yingtong, Vorstandsvorsitzender und CEO von Sigenergy, erklärte: „Neue Energiesysteme werden immer komplexer, und die Stromnutzungsszenarien und -anforderungen der Nutzer sind ebenfalls unterschiedlich. Daher ist die Integration von KI und Energie unvermeidlich. Echte KI ist nicht nur ein Assistent, der mit dir plaudert, sondern ein Partner, der deine Ziele versteht, für dich arbeitet und ständig dazulernt.“

Sigenergy betont, dass die Nutzerdaten in sechs regionalen Cloud-Knoten gespeichert werden — Frankfurt, Tokio, Singapur, Sydney, Oregon und Ningxia — und dass die Datenkonformität strikt eingehalten wird. Aber die entscheidende Frage ist: Wer hat Zugriff auf die Algorithmen, die diese Daten verarbeiten? Die Cloud-Dienstschicht von SigenAgent kombiniert „tiefgreifend die langjährig gesammelte praktische Branchenerfahrung (Know-how) mit den modernsten großen Modellen“ und folgt dem Iterationsrhythmus von DeepSeek und GPT. Das bedeutet: Die KI, die über die Energieversorgung europäischer Haushalte entscheidet, wird mit chinesischen KI-Modellen trainiert.

Der Trojaner im Katastrophenschutz: Wie ViseKat die Tür öffnet

Die Forscher des Fraunhofer IIS gehen davon aus, dass Katastrophensituationen durch Klimafolgen, Konflikte und andere Krisen künftig häufiger werden. „ViseKat“ könnte deshalb nicht nur im Katastrophenschutz eine Rolle spielen, sondern später auch in der Teleüberwachung von Patientinnen und Patienten in alltäglicheren medizinischen Situationen.

Das ist der Moment, in dem aus einem Rettungsgerät ein Überwachungssystem wird.

Die Technologie ist identisch: Ein Sensor auf der Haut, der Vitaldaten erfasst und per Funk an eine Zentrale sendet. Im Katastrophenfall rettet das Leben. Im Alltag schafft es eine Datenbank mit Gesundheitsdaten von Millionen Menschen. Der 23andMe-Breach von 2023, bei dem die genetischen Daten von 7 Millionen Nutzern kompromittiert wurden, zeigt, was passiert, wenn solche zentralisierten Gesundheitsdatenbanken in falsche Hände geraten. Der kalifornische Attorney General Rob Bonta hat die Nachfolgefirma Chrome Holding verklagt und erklärt: „Unsere Untersuchung ergab, dass das Unternehmen grundlegende Maßnahmen zum Schutz der Nutzerdaten versäumt hat.“ Bonta fügte hinzu, dass 23andMe „die Verbraucher über das Ausmaß des Datenlecks von 2023 belogen hat“.

Die Parallele zu ViseKat ist unheimlich. Auch hier geht es um hochsensible Gesundheitsdaten, die zentral gespeichert und verarbeitet werden. Auch hier ist die Technologie für einen guten Zweck entwickelt worden. Und auch hier öffnet sich die Tür für eine Nutzung, die weit über den ursprünglichen Zweck hinausgeht.

In China gibt es bereits ein nationales Gesundheitsdatensystem, das die Daten von 1,4 Milliarden Menschen erfasst. Die Technologie dafür wurde als „Pandemiebekämpfung“ getarnt eingeführt. In Europa soll ViseKat als „Katastrophenschutz“ beginnen. Das Muster ist dasselbe.

Die Lkw-Lücke: Warum Europas Transportsektor zum Einfallstor wird

In der Europäischen Union sind nur 14.500 von 4,5 Millionen schweren Lkw elektrisch — das sind 0,32 Prozent. In Großbritannien sind es sogar nur 0,16 Prozent. Und trotz explodierender Dieselpreise sinken die Neuzulassungen von elektrischen Lkw: von 1,4 Prozent im letzten Jahr auf 0,9 Prozent in diesem Jahr.

Das ist nicht nur ein Umweltproblem. Es ist ein Sicherheitsproblem.

Denn während europäische Flottenbetreiber zögern, drängen chinesische Anbieter mit Komplettlösungen in den Markt. BYD baut nicht nur E-Lkw, sondern liefert auch die Ladeinfrastruktur, die Software und — entscheidend — die Datenplattform. Der Xuanji A3 Chip, der in BYDs gesamter Flotte verbaut wird, sammelt kontinuierlich Daten über Routen, Fahrverhalten, Ladezyklen und — sobald die Kameras aktiviert sind — über die Umgebung.

Das Zenobē-Modell, das der Mitgründer Steven Meersman beschreibt, zeigt den europäischen Gegenentwurf: „Was wir bei vielen Projekten schiefgehen sehen, ist, dass es in der gesamten Lieferkette 'Margin-Squirrelers' gibt, die alle nach Sicherheitspuffern suchen, weil sie nicht für das Gesamtergebnis verantwortlich sind.“ Zenobē bietet integrierte Lösungen an, die Finanzierung, Batteriemanagement und Second-Life-Nutzung kombinieren. Aber das ist teurer und langsamer als die chinesische Variante.

Die Ironie: Während europäische Politiker über Zölle auf chinesische E-Autos diskutieren, haben chinesische Unternehmen längst den Transportsektor infiltriert. BYD liefert nicht nur Autos, sondern die gesamte Infrastruktur — und damit die Datenhoheit.

Der Anthropic-Effekt: Warum der Pentagon-Deal die Spielregeln ändert

Am 26. Februar 2026 lehnte Anthropic einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon ab. Die Vertragsbedingungen hätten von Anthropic verlangt, das Claude-Modell für großflächige Überwachung im Inland und autonome Waffensysteme der USA zu öffnen. Nur wenige Stunden später reichte OpenAI dem Pentagon die Hand und vollendete die Nachbesetzung.

Die Folgen waren dramatisch. In den USA brach eine „QuitGPT“-Bewegung aus. Millionen von professionellen Nutzern und Unternehmensteams kündigten ihre OpenAI-Abonnements. Anthropic führte eine Funktion ein, die es Nutzern ermöglicht, Chat-Verlauf und Code-Repositories von ChatGPT in Claude zu importieren — und lenkte diesen massiven Traffic auf Claude Code.

Der Investor Zhao Lei erklärte gegenüber Leiphone: „Oberflächlich betrachtet ist dies ein Sieg der 'Werteerzählung'. Ich bestreite das auch nicht. Aber wenn man es aus der Perspektive eines CIO betrachtet, ist die Logik dahinter eine andere.“ Finanz- und Versicherungsgiganten, so Zhao Lei, sorgen sich nicht um wenige Zehntelpunkte Unterschied im Benchmark. Ihre größte Sorge sei: „Wird dieses Unternehmen eines Tages meine Daten an die Regierung weitergeben?“

Das Ergebnis: Anthropics Marktanteil bei US-Unternehmen stieg im April 2026 um 3,8 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent, während OpenAI um 2,9 Prozentpunkte auf 32,3 Prozent fiel. Und das, obwohl Anthropic höhere Preise verlangt.

Marktanteile in Prozent, April 2026Marktanteile in Prozent, April 2026

Was hat das mit chinesischen Smart Cities in Europa zu tun? Alles.

Denn der gleiche Mechanismus, der Anthropic zum Marktführer gemacht hat — das Vertrauen, dass die Daten nicht an den Staat weitergegeben werden —, fehlt bei chinesischen Anbietern völlig. Hikvision, Dahua, BYD, Sigenergy — alle unterliegen dem chinesischen Geheimdienstgesetz von 2017, das Unternehmen verpflichtet, mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten. Ein chinesischer Smart-City-Anbieter kann nicht glaubhaft versprechen, dass die Daten nicht nach Peking fließen. Nicht weil er böswillig wäre, sondern weil das Gesetz es ihm verbietet.

Der Korruptionsfaktor: Was der Liangzhu-Skandal über chinesische Infrastrukturprojekte verrät

Liu Bin, der Archäologe, der die 5.000 Jahre alte Liangzhu-Stadt entdeckte, ist im Mai 2026 wegen Korruption verurteilt worden. Während einer Gerichtsverhandlung in Zhejiang wurde er beschuldigt, zwischen 2009 und 2021 seine Position genutzt zu haben, um bestimmten Organisationen und Einzelpersonen bei der Vergabe von Verträgen für Kulturgüterschutz und archäologische Vermessungsprojekte zu helfen. Er soll außerdem die Kosten für Projekte im Zusammenhang mit der Liangzhu-Zivilisation aufgebläht und 300.000 Yuan an Forschungsgeldern veruntreut haben. Insgesamt soll er 4,9 Millionen Yuan an Bestechungsgeldern angenommen haben.

Das ist nicht nur eine Randnotiz. Es ist ein Symbol für die systemische Korruption, die auch in chinesischen Smart-City-Projekten lauern könnte.

Wenn ein renommierter Wissenschaftler wie Liu Bin jahrelang Bestechungsgelder annehmen und Projektkosten aufblähen kann, ohne entdeckt zu werden — was passiert dann bei Infrastrukturprojekten im Ausland, wo die Kontrollmechanismen noch schwächer sind? Die chinesische Regierung fördert den Export von Smart-City-Technologie massiv. Die Belt-and-Road-Initiative hat Dutzende von Milliarden Dollar in solche Projekte gesteckt. Aber die Transparenz ist gering, die Korruptionsrisiken sind hoch.

Europäische Städte, die chinesische Smart-City-Lösungen einkaufen, kaufen nicht nur Technologie. Sie kaufen ein System, das in China unter Bedingungen entstanden ist, die mit europäischen Rechtsstaatsprinzipien unvereinbar sind.

Die Darwin-Alternative: Wie Open Data die Kontrolle zurückholen könnte

Die australische Stadt Darwin hat einen anderen Weg eingeschlagen. Seit 2019 arbeitet die Stadt an ihrer Smart-City-Strategie, die auf drei Säulen basiert: digitale offene Verwaltung, eine vernetzte Gemeinschaft und eine digitale Wirtschaft, die von Sensoren, Anwendungen und interaktiven Karten unterstützt wird.

Im Jahr 2026 hat Darwin eine Datenanalyseplattform gestartet, die Bürgern und Unternehmen den Zugang zu einer breiten Palette von Informationen ermöglicht, die durch kommunale Dienste generiert werden. Die Plattform liefert Echtzeitdaten zu Parkplatzbelegung, Schwimmbadauslastung, Kreuzfahrtankünften und vielem mehr. Die Daten werden über interaktive Dashboards und Analyseberichte präsentiert, die 24 Stunden am Tag aktualisiert werden.

Der entscheidende Unterschied: Die Daten sind offen. Jeder Bürger kann sie einsehen, analysieren und für eigene Zwecke nutzen. Es gibt keine zentrale KI, die Entscheidungen trifft. Es gibt keine Blackbox, die nicht nachvollziehbar ist.

Europäische Städte wie Florenz setzen bereits ähnliche Konzepte um — mit Upciti-Sensoren, die bewusst datensparsam arbeiten. Die französische Stadt Orléans steuert ihre Straßenbeleuchtung nach tatsächlichem Verkehrsaufkommen. In Florenz werden Touristenströme in Echtzeit erfasst und in einer App angezeigt.

Das ist der Gegenentwurf zur chinesischen Smart City: nicht Zentralisierung, sondern Dezentralisierung. Nicht Datenausbeute, sondern Datensparsamkeit. Nicht KI-Kontrolle, sondern Bürgerbeteiligung.

AnsatzChinesischEuropäisch (Upciti/Zenobē)
DatenphilosophieMaximale ErfassungDatensparsamkeit
ArchitekturZentralisiertDezentral/modular
KI-KontrolleBlackboxNachvollziehbar
BürgerbeteiligungGeringHoch (Open Data)
DatenschutzStaatszugriffPrivacy by Design
KostenNiedrig (subventioniert)Höher (Marktpreise)
GeschwindigkeitSchnellLangsam

Die 5-Gigawatt-Falle: Warum Europas Energiehunger chinesische Lösungen attraktiv macht

SoftBanks geplanter Datenhub in Frankreich wird 5 Gigawatt Strom verbrauchen — so viel wie 5 Millionen Haushalte. Das ist nicht nur eine Zahl. Es ist ein Weckruf.

Denn während Europa über den Datenschutz diskutiert, wächst der Energiehunger der KI-Infrastruktur exponentiell. Microsofts CO₂-Bilanz steigt trotz Klimaversprechen rasant — Schuld sind Datenzentren für KI und Cloud. In Japan setzen Unternehmen wie Fuji Electric und Nidec auf Flüssigkühlung, um den Energieverbrauch von KI-Datenzentren zu senken.

Aber die entscheidende Frage ist: Wer liefert die Energie für diese Datenzentren? Und wer liefert die KI-Modelle, die darauf laufen?

Chinesische Unternehmen wie Sigenergy bieten Komplettlösungen an: Photovoltaik, Speicher, KI-gesteuertes Energiemanagement — alles aus einer Hand. Der SigenAgent, der im Juni 2026 mit der mySigen App 4.0 weltweit eingeführt wird, kann Stromhandelsstrategien autonom optimieren. Das klingt effizient. Aber es bedeutet auch, dass die Kontrolle über die Energieversorgung eines Hauses an eine KI delegiert wird, deren Algorithmen in China entwickelt wurden.

Sigenergy betont, dass die Nutzersouveränität das oberste Prinzip sei: Bei kritischen Vorgängen erläutert das System die Entscheidungsgrundlage und handelt erst nach Bestätigung durch den Nutzer. Aber das ist eine Vertrauensfrage. Wer prüft, ob die KI wirklich nur das tut, was der Nutzer will? Wer stellt sicher, dass die Daten nicht doch nach Peking fließen?

Die verpasste Chance: Warum europäische Startups zu langsam sind

Das französische Startup Upciti hat 7 Millionen Dollar (7 Millionen Euro) eingesammelt. Scandit, ein Schweizer Startup für Computer-Vision-Datenerfassung, hat 150 Millionen Dollar bei einer Milliardenbewertung erhalten. Zenobē, das britische Unternehmen für Batteriemanagement, hat ein innovatives Finanzierungsmodell entwickelt.

Das sind beeindruckende Zahlen. Aber sie verblassen im Vergleich zu den Summen, die chinesische Staatskonzerne bewegen. BYD hat über 100 Milliarden Yuan in Chip-Entwicklung investiert. SoftBank plant 88 Milliarden Dollar für einen einzigen Datenhub. Sigenergy, erst im April 2026 an die Börse gegangen, hat einen Börsenwert von mehreren Milliarden Dollar.

Europäische Startups können nicht mithalten — nicht weil sie schlechtere Technologie hätten, sondern weil ihnen der Rückhalt fehlt. Die EU fördert zwar den Aufbau von 5G-Infrastruktur und Smart-City-Projekten, aber die Mittel sind begrenzt und die Bürokratie ist hoch. Während europäische Datenschutzbehörden wie die ICO 23andMe mit einer Geldstrafe von 2,31 Millionen Pfund belegen, öffnen chinesische Unternehmen längst die nächste Datenautobahn.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Die EU will gleichzeitig Datenschutz und Digitalisierung. Aber beides zusammen ist teuer. Chinesische Anbieter bieten eine billigere, schnellere Alternative — und verlangen dafür die Datenhoheit.

Die Entscheidung: Was Europa jetzt tun muss

Die Frage ist nicht, ob chinesische Smart-City-Technologie nach Europa kommt. Sie ist bereits da. ViseKat kommt im Juli 2026 auf den Markt. BYDs Xuanji A3 ist in Massenproduktion. Sigenergy startet die mySigen App 4.0 im Juni 2026. SoftBank baut seinen Datenhub in Frankreich.

Die Frage ist, ob Europa die Kontrolle über seine Daten behält.

Dafür müsste die EU drei Dinge tun: Erstens, eine eigenständige Smart-City-Industrie aufbauen, die mit chinesischen Preisen konkurrieren kann. Zweitens, verbindliche Datenschutzstandards für importierte Technologie durchsetzen — nicht nur auf dem Papier, sondern mit echten Sanktionen. Drittens, europäischen Startups den Zugang zu Kapital erleichtern, damit sie nicht gegen chinesische Staatskonzerne antreten müssen.

Bisher tut die EU keines dieser drei Dinge konsequent. Sie diskutiert über Zölle auf chinesische E-Autos, während chinesische KI-Agenten die Energieversorgung europäischer Haushalte steuern. Sie verklagt US-Tech-Giganten, während sie asiatischem Kapital die Tür öffnet. Sie fördert Datenschutz, während sie Smart-City-Projekte subventioniert, die ohne massive Datensammlung nicht funktionieren.

Der chinesische Archäologe Liu Bin, der die 5.000 Jahre alte Liangzhu-Stadt entdeckte, wurde wegen Korruption verurteilt. Er hatte 4,9 Millionen Yuan an Bestechungsgeldern angenommen und 300.000 Yuan Forschungsgelder veruntreut. Sein Fall zeigt, was passiert, wenn Systeme ohne Kontrolle wachsen.

Europas Smart Cities wachsen gerade ohne Kontrolle. Die Frage ist, ob die Kontrolle nachkommt — oder ob sie zu spät kommt.

Der 23andMe-Effekt: Warum zentralisierte Gesundheitsdaten eine Zeitbombe sind

Der Fall 23andMe ist kein Unfall. Er ist eine Blaupause. Im Oktober 2023 gelang es Hackern, die genetischen Daten von sieben Millionen Nutzern zu stehlen — nicht durch einen komplexen Angriff, sondern durch „Credential Stuffing“. Die Angreifer nutzten Passwörter, die in anderen Datenlecks bereits öffentlich waren. 23andMe hatte keine ausreichenden Authentifizierungsmaßnahmen implementiert.

Der kalifornische Attorney General Rob Bonta hat die Nachfolgefirma Chrome Holding verklagt und erklärt: „Our investigation found that the company failed to take basic steps to protect users' data.“ Die britische Datenschutzbehörde ICO verhängte eine Geldstrafe von 2,31 Millionen Pfund. Die persönlichen Daten von 155.592 britischen Nutzern waren betroffen.

Das Besondere an diesem Fall: Die gestohlenen Daten waren nicht nur Namen und Adressen. Es waren genetische Prädispositionen, Risikofaktoren, Informationen über biologische Verwandte, Abstammung und ethnische Zugehörigkeit. Die Hacker haben diese Daten auf dem Dark Web verkauft und dabei speziell darauf hingewiesen, dass sie Daten von asiatisch-amerikanischen und jüdischen Nutzern enthielten. Bonta nannte das „beunruhigend und unglaublich gefährlich“ — angesichts der zunehmenden antiasiatischen und antisemitischen Gewalt in den USA.

ViseKat plant genau dasselbe: eine zentralisierte Datenbank mit Gesundheitsdaten von Millionen Menschen. Der Unterschied: ViseKat ist deutsch, europäisch, von Fraunhofer entwickelt. Das schafft Vertrauen. Aber Vertrauen allein schützt nicht vor Hacking.

Die Parallele zu chinesischen Smart-City-Projekten ist noch beunruhigender: In China gibt es kein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Das chinesische Sozialkreditsystem basiert auf der zentralen Erfassung von Verhaltensdaten. Die Gesichtserkennungsdatenbank enthält 1,4 Milliarden Identitäten. Wenn ein chinesisches Unternehmen wie Hikvision oder Dahua eine Smart-City-Lösung in Europa installiert, dann fließen die Daten — zumindest theoretisch — in genau diese Systeme.

Die Frage ist nicht, ob ein Datenleck passieren wird. Die Frage ist, wann — und wie viele Menschen betroffen sein werden.

Die 0,5-Pixel-Lösung: Warum europäische Startups den Krieg gewinnen könnten — wenn sie dürften

Jean-Baptiste Poljak, der Gründer und CEO von Upciti, hat eine radikale Entscheidung getroffen: Seine Sensoren verwenden bewusst Low-Resolution-Kameras, die Gesichter auf 0,5 Pixel reduzieren. „Das nennen wir Privacy by Design. Selbst wenn wir morgen durchdrehen und unser Unternehmen an Nordkorea verkaufen, die Bilder, die man daraus bekommt, sind wie Briefmarken, ein Gesicht ist 0,5 Pixel“, sagt er.

Das ist nicht nur eine technische Entscheidung. Es ist eine philosophische. Upciti könnte problemlos hochauflösende Kameras verbauen. Es wäre billiger und einfacher. Stattdessen hat das Startup eigene Hardware entwickelt — nicht weil es Hardware bauen wollte, sondern weil es keine Alternative gab. „Es ist nicht, weil wir Hardware herstellen wollen, denn ehrlich gesagt, wenn wir darauf hätten verzichten können, hätten wir unsere eigene Hardware nicht gebaut“, sagt Poljak.

Die Logik dahinter: Die Sensoren verarbeiten alle Daten direkt auf dem Gerät. Die Bilder verlassen nie den Laternenpfahl. Nur textbasierte Daten werden per Mobilfunk an die Zentrale übertragen. Das bedeutet: Selbst wenn jemand die Übertragung abfängt, kann er keine Gesichter erkennen, keine Kennzeichen lesen, keine Autos identifizieren.

Das ist das Gegenteil von dem, was chinesische Anbieter tun. Hikvision-Kameras liefern 4K-Bilder. Die Gesichtserkennung funktioniert auf 100 Meter Entfernung. Die Daten werden zentral gespeichert und mit KI-Modellen analysiert, die auf Millionen von Gesichtern trainiert sind.

Upciti arbeitet mit 56 Städten zusammen, darunter Monaco, Florenz, Vannes, Lorient und Fécamp. In Florenz werden die Sensoren genutzt, um Touristenströme zu messen und in Echtzeit an eine App weiterzugeben. In Orléans wird die Straßenbeleuchtung nach tatsächlichem Verkehrsaufkommen gesteuert.

Das Problem: Upciti ist klein. Das Unternehmen hat 7 Millionen Dollar eingesammelt. Hikvision hat einen Jahresumsatz von über 10 Milliarden Dollar. Der Kampf ist ungleich — nicht technologisch, sondern finanziell.

Die MCS-Falle: Warum Megawatt-Laden chinesische Lkw-Lösungen begünstigt

Das Megawatt Charging System (MCS) wurde im Frühjahr 2026 endgültig ratifiziert. Es kann über 1 Megawatt Leistung liefern und einen schweren Lkw in 30 bis 45 Minuten vollständig aufladen — perfekt für die gesetzlich vorgeschriebene 45-minütige Pause nach 4,5 Stunden Fahrzeit.

Das klingt nach der Lösung für das Lkw-Problem. Aber Alex Foote von der Heriot-Watt University in Edinburgh, der den Straßenteil des Transit-Projekts leitet, sieht praktische Probleme: „Viele Fahrer sagen, dass sie keine Pause machen, wenn das Fahrzeug lädt, weil sie dort sein und es überwachen müssen.“ Außerdem brauche es ein zuverlässiges und universelles Buchungssystem, weil Fahrer wissen müssten, dass ein Ladeplatz mit ihrem Namen darauf wartet — und nicht defekt oder besetzt ist.

Das größte Problem: Ein Lkw-Hof mit 10 MCS-Ladestationen braucht einen Netzanschluss von über 10 Megawatt. Das entspricht dem Strombedarf von etwa 10.000 Haushalten. Viele lokale Stromnetze können das nicht leisten. Der Netzausbau kostet Millionen — und dauert Jahre.

Genau hier setzen chinesische Anbieter an. BYD bietet nicht nur den Lkw, sondern auch die Ladeinfrastruktur, die Batteriespeicher und die Software für das Lastmanagement. Das Unternehmen kann eine Komplettlösung liefern, die den Netzanschluss optimiert, die Ladezeiten plant und die Batterien als Pufferspeicher nutzt.

Europäische Anbieter wie Zenobē bieten ähnliche Lösungen an — aber sie sind teurer und langsamer. Der Mitgründer Steven Meersman beschreibt das Problem: „What we see going wrong in a lot of projects is you have 'margin squirrelers' across the supply chain, who are all looking for safety buffers because they're not responsible for the total result.“ Zenobē übernimmt die Gesamtverantwortung — aber das kostet.

Die Ironie: Während europäische Politiker über Zölle auf chinesische E-Autos diskutieren, haben chinesische Unternehmen längst die Ladeinfrastruktur im Visier. Wer die Ladestationen kontrolliert, kontrolliert die Daten. Und wer die Daten kontrolliert, kontrolliert den Markt.

Die QuitGPT-Lektion: Warum Vertrauen das neue Gold ist

Der Fall Anthropic zeigt etwas Entscheidendes: In einem Markt, der von Datenlecks, Überwachungsskandalen und staatlicher Einmischung geprägt ist, wird Vertrauen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Anthropic hat einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon abgelehnt. Das hat das Unternehmen kurzfristig Geld gekostet. Aber langfristig hat es den Marktanteil von 30,6 auf 34,4 Prozent gesteigert — während OpenAI um 2,9 Prozentpunkte auf 32,3 Prozent fiel. Und das, obwohl Anthropic höhere Preise verlangt.

Der Investor Zhao Lei erklärt das so: „Ein KI-Unternehmen, das vom Militär auf die schwarze Liste gesetzt wurde, ist genau das KI-Unternehmen, mit dem datenschutzsensible Unternehmen am liebsten zusammenarbeiten möchten.“ Finanz- und Versicherungskonzerne, so Zhao Lei, haben Angst, dass ihre Daten an die Regierung weitergegeben werden. Anthropic hat mit der Pentagon-Ablehnung ein „Treuegelöbnis“ abgelegt.

Was bedeutet das für chinesische Smart-City-Anbieter in Europa?

Sie können ein solches Treuegelöbnis nicht ablegen. Nicht weil sie es nicht wollten, sondern weil das chinesische Geheimdienstgesetz sie dazu zwingt, mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten. Ein europäisches Unternehmen, das einen chinesischen Smart-City-Anbieter beauftragt, weiß nie genau, wo die Daten landen.

Das ist der entscheidende Wettbewerbsnachteil chinesischer Anbieter — und der entscheidende Wettbewerbsvorteil europäischer Startups. Aber nur, wenn europäische Unternehmen und Städte bereit sind, dafür zu zahlen. Bisher sind sie das nicht. Der Preis ist oft das entscheidende Kriterium — nicht der Datenschutz.

Die 100-Milliarden-Frage: Warum Europa seine eigenen Chips bauen muss

BYD hat über 100 Milliarden Yuan (13,9 Milliarden Dollar) in die Chip-Entwicklung investiert. Das Unternehmen beschäftigt 7.000 Chip-Entwickler in vier Forschungszentren. Der Xuanji A3 ist das Ergebnis: der erste 4nm-Autofahrchip Chinas, der L3- und L4-autonomes Fahren unterstützt und in einer Drei-Chip-Konfiguration über 2.100 TOPS Rechenleistung liefert.

Europa hat nichts Vergleichbares. Der europäische Chip Act sieht 43 Milliarden Euro an Investitionen vor — aber das meiste Geld fließt in Subventionen für ausländische Hersteller, nicht in eigene Entwicklung. Die großen europäischen Chip-Designer wie Infineon, NXP und STMicroelectronics konzentrieren sich auf Automotive-Chips für klassische Funktionen, nicht auf High-Performance-AI-Chips für autonomes Fahren.

Das bedeutet: Wenn europäische Autohersteller autonome Fahrzeuge bauen wollen, müssen sie Chips von Nvidia, Qualcomm oder — zunehmend — von BYD kaufen. Und damit geben sie die Datenhoheit aus der Hand.

Der Xuanji A3 ist nicht nur ein Chip. Er ist ein Datensammler. Jedes Fahrzeug, das damit ausgestattet ist, wird zu einem mobilen Sensor, der kontinuierlich Daten erfasst. In China fließen diese Daten in den City Brain von Alibaba oder in das Verkehrsleitsystem von Huawei. In Europa gibt es keine solche Infrastruktur — noch nicht.

Aber die Hardware ist bereits da. BYD hat angekündigt, den Xuanji A3 in der gesamten Flotte zu verbauen. Das bedeutet: Jedes BYD-Fahrzeug, das in Europa verkauft wird, ist ein potenzieller Datensammler. Die Frage ist nur, wann die Software nachkommt.

Die letzte Meile: Warum Kommunen die Entscheidungsträger sind

Die meisten europäischen Smart-City-Entscheidungen fallen nicht in Brüssel oder Berlin. Sie fallen in den Rathäusern von Florenz, Orléans, Vannes und Fécamp. Bürgermeister und Stadträte stehen unter Druck: Sie sollen die Verwaltung digitalisieren, den Verkehr optimieren, die Umweltbilanz verbessern — und das alles bei knappen Kassen.

Chinesische Anbieter kommen mit einem verführerischen Angebot: günstige Hardware, schnelle Installation, keine versteckten Kosten. Hikvision-Kameras kosten einen Bruchteil dessen, was europäische Anbieter verlangen. Die Installation dauert Tage, nicht Wochen. Und die Software ist sofort einsatzbereit.

Was die Bürgermeister nicht sehen — oder nicht sehen wollen —, sind die langfristigen Kosten: die Abhängigkeit von einem Anbieter, der nicht unter europäischem Recht steht. Die Daten, die in Systemen landen, auf die europäische Datenschutzbehörden keinen Zugriff haben. Die KI-Modelle, die mit chinesischen Daten trainiert wurden und nicht nachvollziehbar sind.

Upciti-Gründer Poljak beschreibt das Dilemma: „Kleinere Städte haben in der Regel keine Datenstrategie. Sie arbeiten mit mehreren Anbietern zusammen, aber es gibt keine einzige Quelle der Wahrheit, in der Daten gespeichert und für andere Dienste wiederverwendet werden können.“ Die Städte haben keine Datenstrategie — und kaufen deshalb Lösungen, die ihnen eine Strategie aufzwingen.

Die Lösung wäre einfach: Die EU müsste verbindliche Standards für Smart-City-Technologie definieren, die Privacy by Design vorschreiben — so wie Upciti es macht. Sie müsste die Beschaffung so regulieren, dass nur Anbieter zum Zug kommen, die nachweislich keine Daten an Drittstaaten weitergeben. Und sie müsste europäische Startups finanziell so unterstützen, dass sie mit chinesischen Preisen konkurrieren können.

Bisher passiert nichts davon. Die EU diskutiert über Zölle auf chinesische E-Autos, während chinesische KI-Agenten die Energieversorgung europäischer Haushalte steuern. Sie verklagt US-Tech-Giganten, während sie asiatischem Kapital die Tür öffnet. Sie fördert Datenschutz, während sie Smart-City-Projekte subventioniert, die ohne massive Datensammlung nicht funktionieren.

Die letzte Meile ist die entscheidende. Und auf dieser Meile sind chinesische Anbieter bereits schneller.